Tibet for beginner

Meine sicherlich ungewöhnlichste Reise führte mich im Jahr 2013 nach Lhasa, der Hauptstadt von Tibet. Bereits während meiner Schulzeit hat mich das Land und die Geschichte dahinter sehr fasziniert. So habe ich nicht lange überlegen müssen, als ich ein tolles Angebot für eine geführte Reise nach Chengdu in China und Lhasa in Tibet gefunden habe.

Lange Zeit war die Einreise nach Tibet nur Reisegruppen gestattet – scheinbar wurde diese Regelung in letzter Zeit gelockert – trotz alledem ist der Aufwand, um eine Einreisegenehmigung zu erhalten recht groß.

Ich war also ganz froh, dass der ganze Verwaltungskram vom Reiseveranstalter übernommen wurde und ich mich voll und ganz auf die Reise freuen konnte.

Doch beginnen wir einmal ganz von Anfang. Lhasa ist Hauptstadt von Tibet – offiziell, das autonome Gebiet Tibet der Volksrepublik China.

Lhasa liegt auf gut 3.600 Meter Höhe und ist damit die höchst gelegenste Hauptstadt der Welt.

In Lhasa leben etwas über eine halbe Millionen Menschen (Stand 2000). Gut 80% der Bevölkerung sind Tibeter, die restlichen Bewohner sind zum größten Teil Han Chinesen.

Ich habe Lhasa per Direktflug aus Chengdu erreicht. Generell wird der Flughafen nur von einigen chinesischen Städten aus angeflogen.

Bereits der Flug nach Tibet war ziemlich aufregend. Die Blick auf das Himalaya Gebirge war einfach einzigartig und die Landung auf dem kleinen Flughafen war ziemlich spektakulär – die Landebahn ist nicht wirklich sehr lang und verlangte den Bremsen des Fliegers so einiges ab.

Blick aus dem Flugzeug auf das Himalaya Gebirge

Überhaupt habe ich mir die Ankunft in Tibet nicht ganz so verschlafen vorgestellt – der Flughafen ist nicht größer als der, eines deutschen Provinznests. Mehr als 600 Leute passen hier sicherlich nicht ins Gate und überhaupt wirkte alles sehr improvisiert…und kalt! Hier war nicht eine Heizung an – und das bei Minusgraden in der Nacht.

Die ca. 50km lange Fahrt vom Flughafen in die Stadt haben wir mit einem kleinem Bus zurückgelegt. Die Straße ist gut ausgebaut, von daher dauerte der Transfer weniger als eine Stunde.

Lhasa selbst machte auf den Eindruck einer komplett anderen Welt. Es wirkte auf mich ein wenig, als wäre die Stadt aus der Zeit gefallen. Überall auf den Straßen des Pilgerwegs Barkhor stieg Rauch aus kleinen und großen Schornsteinen. Die Straßen waren voll mit tibetischen Buddhisten, die ins Gebet vertieft waren. Die Dächer waren mit bunten Gebetsfahnen geschmückt.

Der Barkhor mit seinen rauchenden Öfen

Im Kontrast dazu steht die Hauptstraße. Hier blinken Leuchtreklamen über den Geschäftseingängen – Autos, Rikschas und Radfahrer teilen sich die sechsspurige Straße.

Während des gesamten Aufenthalts in Lhasa wurden wir von einem Reise-Guide begleitet, der (freundlicher Weise?) von der chinesischen Regierung gestellt wurde. Er war stets bemüht, uns die Geschichte des Landes aus chinesischer Perspektive zu erzählen. Aber gut, ein bisschen Propaganda muss ein – haben wir alle nicht sonderlich ernst genommen.

Und zum Glück begleitete er uns auch nur beim offiziellen Programm – abseits der gebuchten Touren konnten wir uns frei in der Stadt bewegen und alles auf eigene Faust erkunden.

Hauptstraße in Lhasa – wirklich voll waren die sechs Spuren irgendwie nie

Potala, Potala, Potala

Der Potala Palast ist sicherlich das bekannteste Gebäude in Lhasa.

Bis 1959 war er offizieller Regierungssitz des Dalai Lamas. Seit 1994 ist er UNESCO Weltkulturerbe.

Der Potala thront auf 130 Metern über der Stadt, auf dem Berg Mar-po-ri.

Um in den Palast zu gelangen heißt es also erst einmal Treppen steigen. Hört sich einfacher an, als Gedacht. Ich muss zugeben, auf über 3.500 Metern artete der Weg in harte Arbeit aus.

Belohnt wurden wir mit einem wunderbaren Ausblick auf die Stadt und einen unvergesslichen Besuch einer wirklich geschichtsträchtigen Stätte.

Der gigantische Potala Palast mit seinen 999 Räumen wird heute als Museum genutzt und zählt darüber hinaus, auch heute noch, als eine der wichtigsten Pilgerstätten tibetischer Buddhisten.

 

Ein Tag im Kloster

Nördlich von Lhasa befindet sich das Kloster Sera. Das Kloster des Gelug-Ordens wurde während der chinesischen Kulturrevolution beinahe vollständig zerstört und erst seit dem Jahr 1980 wieder aufgebaut. Im Kloster bekamen wir Eindruck vom Tagesablauf buddhistischer Mönche. Wir konnte auch einer Zeremonie beiwohnen.

Hinterm Kloster befindet sich der einzige Platz für Luftbestattungen in Lhasa. Hierbei wird der Körper des verstorbenen, Geiern zum Fressen überlassen. Für den Durchschnittseuropäer sicherlich eine eher abstruse Vorstellung.

 

Besonders, sagen wir mal interessant, war das tibetische Essen. Highlight hier war auf jeden Fall Tibet-Yak mit scharfer irgendetwas Sauce. Dazu dann eine Tasse Yak-Butter-Tee (eine Mischung aus Yak-Butter, Tee und Salz) und es lief. Kaffee gab es eh überall nur lauwarmen Instant Kaffee, von daher habe ich aus der Not eine Tugend gemacht.