„Brügge sehen und sterben“ – kann man machen, klingt aber irgendwie so endgültig. Warum  nicht stattdessen Antwerpen sehen und Pommes essen? Oder Shoppen? Oder ins Museum? Oder, oder, oder…

Die Stadt am Ufer der Schelde bietet für so ziemlich jeden Geschmack das passende. Mit knapp über 500.000 Einwohner ist Antwerpen die größte Stadt Belgiens – hier ist also etwas los.

Anreise

Wir sind mit dem Auto angereist – aus Münster dauert das knapp drei Stunden (je nach Verkehrslage). Wir hatten bereits im Vorfeld gelesen, dass das Parken in der Stadt recht teuer ist (mit 20 Euro pro Tag muss man schon rechnen).

Daher sind wir kurzfristig auf die Idee gekommen, einen Park&Ride Parkplatz außerhalb zu suchen und mit der Bahn ins Zentrum zu fahren. Leider darf man jedoch max. 24 Stunden auf diesen Plätzen stehen – wir haben den Wagen also einfach in einem Wohngebiet in der Nähe einer Tram Station geparkt. Hat super geklappt und wir konnten so knapp 50 Euro sparen.

Wer nicht mit dem Auto anreisen möchte, hat natürlich auch Alternativen. Der Flughafen Antwerpen ist nur ein paar Kilometer von der Innerstadt entfernt. Zum Flughafen Brüssel sind es mit der Bahn ca. 30 Minuten.

Flixbus und Bahn geht natürlich auch.

Hotel

Da wir das Hotel für den Aufenthalt recht spät gebucht haben, wir über Ostern in Antwerpen waren und gleichzeitig die Tour de Vlaanderen gestartet ist, waren die Hotelpreise überall recht hoch.

Wir verbrachten die drei Tage im Radisson Blu Astrid am Bahnhof. Die Zimmer waren alle renoviert – der Lobby Bereich wurde gerade erneuert. Das Hotel war in Ordnung und die Lage hat auch gepasst – Bahnhofsviertel sind halt überall etwas seltsam. Absolutes Highlight war jedoch der Blick aus dem Zimmer in der fünften Etage auf das tolle Bahnhofsgebäude.

Blick auf das historische Bahnhofsgebäude

In Antwerpen rumkommen

Wir haben Antwerpen hauptsächlich zu Fuß und mit dem Rad erkundet.

Besonders praktisch ist das Angebot von Velo Antwerpen. Einfach auf der Website anmelden (www.velo-antwerpen.be), einen Tages- oder Wochenpass kaufen und dann die Räder benutzen, die an vielen Orten in der Stadt bereitstehen. Kostet für eine Tageskarte 4 Euro und für eine Wochenkarte 10 Euro (Grundgebühr). Nutzt du das Rad max. 30 Minuten, kommen keine weitere Kosten hinzu.

Bei der Registrierung bekommst du einen sechsstelligen Code und eine PIN – diese musst du einfach an der Radstation eingeben. Total easy.

 

Das Jüdische Viertel in Antwerpen

Vor einiger Zeit habe ich das Buch Unorthodox von Deborah Feldmann gelesen. Die Autorin erzählt in diesem Buch sehr ergreifend, wie sie in einer chassidischen Satmar-Gemeinde in New York aufgewachsen ist und es am Ende geschafft hat, sich von dieser Gemeinschaft zu lösen. Ein wirklich gutes Buch – kann ich absolut empfehlen!

Als ich durch Zufall erfahren habe, dass Antwerpen auch Jerusalem des Nordens genannt wird, wollte ich natürlich mehr wissen.

Neben New York und Jerusalem beheimatet die Stadt die drittgrößte chassidische Gemeinde der Welt. Rund um den Bahnhof im Diamentenviertel begegnen einem viele ultra-orthodoxe Juden. Männer mit schwarzen Mänteln, Schläfenlocken und Schtreimel – Frauen mit Perücken. Mitunter ein Anblick, der einen schnell vergessen lässt, dass man sich in Belgien befindet.

Einen tollen Artikel zum jüdischen Viertel findest du beim Deutschlandfunk.

 

Essen & Trinken

In Antwerpen gibt es unzählige Restaurants, Bars, Cafés und Kneipen. Die folgenden haben uns besonders gut gefallen:

Sébastien (Eiermarkt 46)

Ein kleines, hipstermäßiges Bistro. Eignet sich besonders für einen kurzen Snack oder Kaffee zwischendurch. Das Sébastien befindet sich ganz in der Nähe der Fußgängerzone – also auch ideal für eine kleine Auszeit beim Shoppen.

Jack Premium Burgers (Groenplaats 16)

Hier gibt es super leckere Burger mit (natürlich!!) Pommes. Sicherlich keine Haute Cousine aber genau das Richtige nach einem langen Tag unterwegs. Zum Burger gibt es ein sehr leckeres Hausbier.

Burger bei Jack Premium Burgers

Jack

Local Store (Everdijstraat 20)

Hier gibt es neben leckeren Sandwiches und Baguettes natürlich auch Kaffee und Cocktails. Blumen, Gläser, Tassen und Töpfe gibt es auch. Ein sehr schöner Concept Store, der zum Stöbern einlädt.

Local Store 2000

Bai Wei (Van Wesenbekestraat 21)

Ein kleines chinesisches Restaurant in China Town. Besonders zu empfehlen sind die selbstgemachten Nudeln. Und in der offenen Küche kannst du dem Koch beim zubereiten gleich über die Schultern schauen. Wir haben nur mit viel Glück und etwas Wartezeit einen Platz bekommen – am besten reservierst du deinen Tisch im Vorfeld.

Poul & Poullette (Scheldestraat 91)

Ein Hähnchengrill der besonderen Art. Super leckere Bio Hähnchen mit Rosmarin-Kartoffeln, Pommes, frischen Salaten und mehr. Das ganze in einem Ambiente, das tatsächlich an Hühnerstall erinnert. Am besten vorher reservieren, da das Lokal sehr klein ist.

Ganzer halber Hahn

Wie überall in Belgien, solltest du auf jeden Fall einige der vielen Biere probieren. Hier ist für jeden Geschmack etwas dabei. Von herb bis süffig, fruchtig oder stark – der Phantasie sind hier keine Grenzen gesetzt. Im Bier Central kannst du aus über 100 Biersorten wählen – wer die Wahl hat, hat die Qual. (Bier Central, De Keyserlei 25)

 

Museen und Ausstellungen

Antwerpen hat für jeden interessierten Geist etwas zu bieten. Ob Hafenrundfahrt, Fotografiemuseum, Modemuseum oder Zoo.

Diese Orte haben uns gut gefallen:

Mode Museum

Im Mode Museum haben wir die Ausstellung „She walks in Beauty“ des belgischen Designers Olivier Theyskens gesehen. Im Museum gibt es wechselnde Ausstellungen – am besten informiert ihr euch online darüber, was aktuell gezeigt wird. Übrigens: Die Architektur des Gebäudes ist auch ziemlich spannend. Vor allem das riesige, holzverkleidete Treppenhaus ist sehr beeindruckend.

https://www.momu.be

Skizzen von Olivier Theyskens

 

Fotomuseum

Das Fomu in Antwerpen beherbergt verschiedene Wechselausstellungen. Wir haben dort unter anderem eine Retrospektive des belgischen Fotografen Harry Gruyaert und eine Ausstellung, die sich fotografisch der kritischen Geschichte des Unternehmens Monsanto nähert, gesehen.

Schaut einfach auf der Seite des Museum vorbei um zu sehen, welche Ausstellungen gerade gezeigt werden.

 

Museum aan de Stroom

Am Wasser, nördlich, befindet sich das Museum aan de Stroom. Das 62 Meter hohe Gebäude beherbergt eine Aussichtsplattform auf dem Dach. Der Eintritt zum Panorama-Deck ist kostenlos. Auf die oberste Etage gelangt man über unzählige Rolltreppen – eine Fotoausstellung an den Wänden begleitete die doch etwas langatmig Auffahrt.

Die Architektur des Gebäudes ist ziemlich besonders und soll an gestapelte Container erinnern. Die Zwischenräume ergeben große Galerien, die mit gewellten Glasflächen verkleidet sind und spannende optische Effekte verursachen.

Hier gehts zur Website des Museum.

 

Blick durch die gewellte Glasfassade

 

Schnell zurecht finden….

Du findest alle oben beschriebenen Orte (und ein paar weitere) auch in dieser Google Karte. Mir hilft das immer sehr, wenn ich mich in einer neuen Stadt orientiere.

Reisen, Fotografie und Musik sind meine Leidenschaft. Darüber schreibe ich auf lichtrevolver.com.
Wenn dir meine Beiträge gefallen oder du Fragen hast, schreib mir gerne.